Rhythmen für akustische Gitarren werden normalerweise mit den Fingern auf der Klassikgitarre und mit dem Plektrum auf der Westerngitarre gespielt. Es sind ein- oder zweitaktige Rhythmus-Patterns (Rhythmus-Muster) mit Ab- und Aufschlägen über mehrere Saiten. Die rhythmischen Anschlagstechniken werden auch als ›Strumming Techniques‹ oder ›Schlagtechniken‹ bezeichnet.
Um die Folk- und Rockrhythmen überschaubar zu halten, unterteile ich sie in Basis-, Wechselschlag- und Doubletime-Rhythmen.
Die Basis-Rhythmen sind möglichst einfache Rhythmen im 4/4- und 3/4-Takt. Es werden nur Abschläge mit dem Plektrum oder mit Daumen und Fingern verwendet. Die Rhythmen können durch Betonung, Anschlagsort (tief, mittel, hoch) und Dämpfungstechnik verfeinert werden.
Anschlagtechnik
Westerngitarre
Klassikgitarre
p = Daumen, i = Zeigefinger, m = Mittelfinger, a = Ringfinger
Anschlagtechnik ohne Akkorde
Alle Rhythmen sollten zunächst mit gedämpften Saiten geübt werden. So kann der Bewegungsablauf und die rhythmische Genauigkeit der einzelnen Ab- und Aufschläge unabhängig von den Akkorden besser kontrolliert werden.
Die Greifhand dämpft im Bereich zwischen dem 3. und 6. Bund, so dass keine Flageoletttöne erklingen können. Dämpftechniken wie beim Basis-Rhythmus oder bei den Drumset-Rhythmen werden nicht berücksichtigt.
4/4-Takt
Abschlag mit dem Daumen (p) auf der 1. und 3. Zählzeit.
Abschlag mit den Fingern (a m i) auf der 2. und 4. Zählzeit.
Der Akkord sollte zunächst möglichst gleichmäßig (flächig) von der tiefsten bis zur höchsten Saite angeschlagen werden.
3/4-Takt
Abschlag mit dem Daumen (p) auf der 1. Zählzeit.
Abschlag mit den Fingern (a m i) auf der 2. und 3. Zählzeit.
Betonung / Anschlagsort
Betonung
Beachte das Betonungszeichen über der 2. und 4. Zählzeit.
Auf der Westerngitarre werden die betonten Abschläge mit dem Plektrum etwas stärker bzw. lauter angeschlagen.
Auf der Klassikgitarre werden die Abschläge mit der Kuppe des Daumens (p) und den Nägeln der Finger (ami) angeschlagen. Durch diese Anschlagstechnik ergibt sich die Betonung von selbst.
Anschlagort
Der Anschlagort bestimmt, welche Saiten angeschlagen werden und damit den Klang des Anschlags. Einerseits können alle Saiten angeschlagen werden, andererseits nur die tiefen (Basssaiten), mittleren oder hohen (Diskantsaiten). In der Notation wird dies durch die tiefe, normale und hohe Rhythmusnote angezeigt. Dabei ist zu beachten, dass der Anschlag auf den tieferen Saiten vom Grundton des Akkordes ausgeht.
Wenn im Basis-Rhythmus auf der 1. und 3. Zählzeit nur die tieferen Saiten angeschlagen werden, sollten immer zwei oder drei Saiten angeschlagen werden. Wird nur eine Saite angeschlagen, wird dies eher als Bass und nicht als Rhythmus wahrgenommen.
Der Anschlagort kann in der Standardnotation weggelassen werden, wenn er für den betreffenden Rhythmus nicht essentiell ist. In dem Lehrbuch wird er optional zur Feinabstimmung verwendet.
Dämpftechnik
Im 4/4-Takt kann der betonte Abschlag auf der 2. und 3. Zählzeit, auch Backbeat-Betonung genannt, zusätzlich kurz gespielt werden. Dabei werden die Saiten gleich nach dem Abschlag mit dem Handballen der Anschlagshand (rechte Hand) abgedämpft.
In der Notation wird dies durch einen Punkt, einen Punkt unter dem Betonungszeichen oder durch eine Pause angezeigt.
Boom-chuck Strumming Pattern
Dieser aus den USA stammende Begriff zeigt, wie man sich den Rhythmus mental vorstellen und einprägen kann. ›Boom-Chuck‹ wird auch für ähnliche Grooves mit anderen Spieltechniken verwendet.
Motherless Child
Motherless Child ist als 8-taktiger Slow Blues in Moll arrangiert. Der Song wird im Swing feel gespielt, das sich nur auf die Melodie auswirkt, da der Basis-Rhythmus in Vierteln gespielt wird.
Akkorde
Die Akkorde sollten zunächst ohne Rhythmus umgesetzt werden, damit die Akkordfolge und die Akkordwechsel problemlos funktionieren. Ansonsten sollte die Akkordfolge unabhängig vom Rhythmus der Anschlagshand geübt und automatisiert werden.
4/4-Takt Basis-Rhythmus / slow
Akkordfolge
||: Em
| Em
| Am
| Em
|
| Em
| Em
| C7
B7
| Em
B7
:||
| Em
||
Leadsheet
Melodie / Rhythmus
In den folgenden Songs werden Basis-Rhythmen verwendet:
4/4-Takt Basis-Rhythmen
• Motherless Child - Slow Blues
Demo
• Guitar Boogie (1948) - Arthur Smith (Instrumental)
Demo
3/4-Takt Basis-Rhythmen
• The Streets Of Laredo - Old Time Song
• My Bonnie Is Over The Ocean - Scottish Folk Song
Wechselschlag-Rhythmen
Wechselschlag-Rhythmen basieren auf einer kontinuierlichen und gleichmäßigen Ab- und Aufwärtsbewegung der Anschlaghand. Die sich daraus ergebenden Ab- und Aufschläge erzeugen Rhythmen, wie sie im Folk und Rock auf den akustischen Gitarren gespielt werden.
In den folgenden Songs werden Wechselschlag-Rhythmen verwendet:
6/8-Takt Western-Rhythmen
• House Of The Rising Sun - The Animals
Tempo 0.75
4/4-Takt Western-Rhythmen
• What Shall We Do - Traditional Shanty
Demo
• Blowin’ In The Wind - Bob Dylan
• Whiskey In The Jar - Irish Folk Song
• Take Me Home, Country Roads - John Denver
3/4-Takt Western-Rhythmen
• Scarborough Fair - Traditional Folksong
• Amazing Grace - Gospel Song
• Happy Birthday to You - Mildred J. Hill (1859–1916)
• Are You Lonesome Tonight - Elvis Presley
Folk-Rhythmen
• Stand by Me - Ben E. King
• The Dock Of The Bay - Otis Redding
• When I'm Gone (Cups) - Anna Kendrick
Drumset-Rhythmen
• Ayo Technology - Milow
• Riptide – Vance Joy
Rhythm Inspiration 3 zeigt Folk- und Western-Rhythmen im Swing feel.
Rhythm Inspiration 3 Demo
Klassikgitarre
Westerngitarre
Doubletime-Rhythmen
Doubletime-Rhythmen sind doppelt so schnell gespielte Rhythmen zu langsamen oder mittelschnellen Melodien. Sie werden also nicht einfach schnell gespielt, sondern doppelt so schnell wie das Timing (single time) der Melodie oder des Drumset-Grooves.
In den folgenden Songs werden Doubletime-Rhythmen verwendet:
Doubletime-Rhythmen
• Knockin’ on Heaven’s Door - Bob Dylan
• Lady in Black - Uriah Heep
• Wonderwall - Oasis
• XO - (Beyoncé) John Mayer
Rhythm Inspiration 4 zeigt einen Doubletime-Rhythmus.
Rhythm Inspiration 4
Klassikgitarre / Capo II
Westerngitarre / Capo II
RhythmusGitarre Lehrbuch
Die Fähigkeit, Gitarrenrhythmen zu spielen, ist einer der grundlegendsten und faszinierendsten Aspekte des Gitarrenspiels. Ob du ein Anfänger bist, der die Welt der Gitarre gerade erst entdeckt, oder ein erfahrener Gitarrist, der seine rhythmischen Fähigkeiten verbessern möchte, diese Rubrik oder das Lehrbuch sollen dich auf deinem musikalischen Weg voranbringen.
Du sollst in der Lage sein, verschiedene Folk- und Rocksongs sowie Songs anderer Musikstile mit Rhythmen zu begleiten und verstehen, wie diese Rhythmen aufgebaut sind, wie sie erlernt und in verschiedenen musikalischen Kontexten eingesetzt und auch improvisiert werden können.
Alle Rhythmen und Songs, die in dieser Rubrik aufgelistet sind, sind im Lehrbuch enthalten und im ONLINE-NOTEN-VERLAG erhältlich.