BOSSA NOVA

Brasil

Bossa Nova ist eine Fusion aus Samba-Rhythmen und Jazz-Harmonien und zeichnet sich durch sanft fließende Melodien, raffinierte Begleitrhythmen und ausgefeilte Harmonien aus.

Die Gitarre wird, wie bei João Gilberto, hauptsächlich zur Begleitung des Gesangs eingesetzt. Sie kann auch die Melodie spielen oder in einem Arrangement Melodie und Begleitung gleichzeitig auf einer Gitarre. In jedem Fall ist der improvisatorische Ansatz ein wichtiges Element, und so werden Begleitung, Melodie und Harmonie eines Songs auf unterschiedliche Weise interpretiert.

Der Begriff „laid back“, der auch immer im Zusammenhang mit Bossa Novas auftaucht, bezeichnet die typische Spielweise, die durch den entspannten und unaufgeregten Rhythmus gekennzeichnet ist. Dabei entsteht der Eindruck, als würde man dem Rhythmus die „eckigen Kanten brechen“.

The Girl From Ipanema
„Garota de Ipanema“

  • Bossa Nova
    - „Neue Welle“ - ist ein Musikstil, der Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre in Brasilien entstand.
  • The Girl From Ipanema
    wurde 1963 in den A&R Studios in New York aufgenommen.
    • Astrud Gilberto (Ehefrau von João Gilberto) sang den englischen Text von Norman Gimbel. Mit ihr wurden dann weitere Songs von Jobim aufgenommen.
    • João Gilberto spielte Gitarre und sang den Originaltext von Vinícius de Moraes. Er war bereits vor dieser Aufnahme ein berühmter Komponist, Gitarrist und Sänger in Brasilien und einer der Schöpfer des Bossa Nova, insbesondere der Gitarrenbegleitung.
    • Stan Getz, amerikanischer Jazzmusiker, spielte Tenorsaxophon.
    • Antônio Carlos Jobim, Komponist und Arrangeur des Songs spielte Klavier.
    • Als Studiomusiker wirkten Tommy Williams am Kontrabass und Milton Banana am Schlagzeug mit.
  • Gitarre
    • Die Gitarrenbegleitung, gespielt von João Gilberto, wird auf einer Nylonsaitengitarre mit 4-stimmigen Jazzakkorden gegriffen und mit den Fingern angeschlagen.
    • Die Tonart Des-Dur ist der Stimmlage von João Gilberto angepasst. Später spielte Jobim das Lied auch in F-Dur, wie es in den meisten Notenausgaben steht.
Einführung: Bossa Nova-Begleitung

Spieltechnik

  • Anschlagshand
    • Die einzelnen Töne eines Akkordes werden mit den Fingern in gleichmäßiger Lautstärke, mit weichem, warmem Klang und nicht zu laut angeschlagen.
    • Das Dämpfen erfolgt rhythmisch bei der entsprechenden Artikulation durch Aufsetzen der Finger auf die zuvor angeschlagenen Saiten. Das „Dämpfgeräusch“ kann auch als rhythmisches Element eingebunden werden.
  • Greifhand
    • Die Akkorde werden vor dem Anschlag vollständig gegriffen. Das Umgreifen bei Akkordwechsel erfolgt zeitlich zu Lasten des vorhergehenden Akkordes und wird mit der Anschlagshand synchronisiert.
    • Durch ein leichtes Anheben der Greiffinger, ohne dabei die Saiten zu verlassen, kann sowohl gedämpft als auch das Dämpfen der Anschlagshand gleichzeitig unterstützt werden.
  • Rhythm Pattern
    • Rhythm Pattern sind ein- oder zweitaktige Anschlagsmuster für die Gitarrenbegleitung. Sie können für ein ganzes Stück oder für einzelne Teile verwendet, kombiniert oder gemischt werden.
    • Ausgehend vom Basis-Pattern, einem einfachen Urmuster, lassen sich weitere ableiten oder variieren. Um sich die verschiedenen Patterns besser merken zu können, verwende ich eine Rhythmussprache, die auch jeder für sich erfinden kann.
    • Ziel ist es, die verschiedenen Patterns - auch improvisiert - zu einer Melodie spielen zu können.
  • Groove
    • Der Fuß klopft den „Taktpuls Zwei“. Dies entspricht im 2/2-Takt den Halben bzw. im 2/4-Takt den Vierteln.
    • Beim Üben im langsamen Tempo kann der Fuß den „Taktpuls Vier“ klopfen, im 2/2-Takt die Viertel bzw. im 2/4-Takt die Achtel.
    • Das Timing kann mittels Metronom kontrolliert werden, wodurch eine präzise Einhaltung des Tempos gewährleistet wird.
    • Das „Laid back“-Spiel zeichnet sich durch ein entspanntes und unaufgeregtes rhythmisches Spiel aus.

Rhythmus

Taktart in der Notation
Die häufigste Taktart in Bossa Nova und Samba ist der 2/4-Takt. Ein Großteil der Jazz-Musik ist jedoch im 4/4- oder 2/2-Takt (Cut Time/Alla Breve) notiert.

Der 2/2-Takt erweist sich in der Praxis als vorteilhaft, da er den Arrangements für Big Bands und der Notation für Perkussionsinstrumente entspricht und die Zusammenführung verschiedener Instrumente problemlos ermöglicht.


Perkussion
Die typischen Perkussionsinstrumente des Samba sind Cabasa, Clave und Surdo. Im Bossa Nova werden diese Rhythmen durch das Drumset ersetzt und auf Hi-Hat, Snare Drum Rim und Bass Drum aufgeteilt.

Die Bossa-Clave hat drei Schläge im ersten und zwei Schläge im zweiten Takt. Sie wird auch zusätzlich mit 3-2 bezeichnet und kann auch umgedreht als 2-3 gespielt werden.


Basis-Pattern
Das Basis-Pattern ist die Grundlage für die Anschlagstechnik mit Daumen (p) für den Bass und den Fingern (a m i) für die Akkorde.

slow (4/4-Takt)

medium (2/2-Takt


Rhythmische Varianten
  • Akkord-Artikulation
    • Ausführung: Dämpfen mit Anschlag- und Greifhand (kurz - lang)
    • Notation: Punkt über den Noten (Artikulationszeichen) oder Pausen
  • Akkord-Rhythmus
    • Ausführung: Töne hinzufügen oder weglassen
    • Notation: Noten und Notenwerte bzw. Pausen
  • Bass
    • Wechselbass
    • Hinzufügen und Vorziehen von Basstönen

Mit Hilfe der Sprache kann man sich die Rhythmen der Pattern besser vorstellen und einprägen (verinnerlichen).


Basis-Pattern / ohne Dämpfen


Basis-Pattern / mit Dämpfen


Intro-Pattern / ohne Dämpfen (erster Takt des Basis-Pattern)


A-Teil Pattern 1


A-Teil Pattern 2

Akkorde

Grundsätzlich bezieht sich die Akkorderweiterung (Chord Extension) auf das Hinzufügen von Tönen zu einem Grundakkord, während die Akkordsubstitution (Chord Substitution) das Ersetzen eines Akkords durch einen anderen mit ähnlicher harmonischer Funktion bedeutet. Beide Konzepte bieten eine Fülle von Möglichkeiten, musikalische Arrangements zu verfeinern und zu erweitern.

  • Akkorderweiterung
    • Bei der Akkorderweiterung werden einem Grundakkord zusätzliche Töne hinzugefügt, um ihn zu erweitern oder zu verändern.
    • Diese zusätzlichen Töne können Intervalle wie Sexte (6), Septime (7), None (9), Undezime (11) oder Tredezime (13) sein, die Dur-, Moll- oder Dom7-Akkorden hinzugefügt werden.
    • Akkorderweiterungen werden oft verwendet, um einem Akkord mehr Farbe oder Spannung zu verleihen, insbesondere im Jazz und Bossa Nova.
    • Zum Beispiel könnte ein einfacher C-Dur-Akkord (c-e-g) mit einer Sexte (a), einer Septime (h) oder einer None (d) erweitert werden, um einen C6, Cmaj7 oder Cadd9-Akkord zu erzeugen.
Jazzakkorde

Bossa Nova-Begleitungen verwenden 4-stimmige Griffweisen. Die Akkorde können auch auf 3-stimmige reduziert werden. Das ist einfacher und flexibler. Außerdem wirken sie dezenter, wenn eine Melodiegitarre das Thema oder die Improvisation spielt.

Die folgenden Beispiele zeigen die Akkordfolge des A-Teils von „The Girl From Ipanema” in C-Dur. Um die Begleitung in Des-Dur zu spielen, werden die Akkorde einfach einen Bund höher gegriffen.

4-stimmige Jazzakkorde
einfache Standard-Griffweise


3-stimmige Jazzakkorde
mit Wechselbässe


João Gilberto-Akkorde
„Slash Chords“ mit der Quinte im Bass
bei G13(b9) ist As, die erniedrigte None (b9), im Bass

Praxis

Anmerkung: Wie in den obigen Beispielen ist die Originaltonart Des-Dur nach C-Dur vereinfacht. Um in Des-Dur zu spielen, werden die Akkorde einen Bund höher gegriffen.

Intro

Das eintaktige Pattern des Intros entspricht dem vorderen Takt des Basis-Patterns.


Die rhythmische Spannung, die sich aus der Kombination von Gilbertos Gesang (Dim-dum-dum) und dem Begleitpattern ergibt, ist bemerkenswert. Es ist faszinierend und eine Herausforderung, diese kleine Melodie gleichzeitig zu singen und zu begleiten.


A-Teil

In den ersten 8 Takten des A-Teils sind zwei verschiedene Pattern.