Flatpicking

Flatpicker

Die Flatpicking-Technik könnte auch ganz allgemein als Plektrum-Technik für Akustikgitarren verstanden werden. Ursprünglich wird Flatpicking mit Gitarrentechniken des Bluegrass (amerikanischer Volksmusikstil) verbunden.

Auf jeden Fall kann mit den Grundlagen dieser Technik das Spiel mit dem Plektrum (Flatpick, Pick) gelernt und auch in anderen Musikstilen verwendet werden.

Anmerkung: Die Audiobeispiele sind noch in der Testphase und werden laufend erneuert und ergänzt.

Begleitung

Zu den Grundlagen (Basics) der Flatpicking-Begleitung sind Grund- und Nachschläge, die auf vielfältige Art und Weise verändert werden können.

Beispiele aus dem Lehrbuch:

  • Kurzeinführung – Grundlagen der Begleitung
  • »What Shall We Do« – einfacher Folksong (Shanty)
    Es sei darauf hinweisen, dass es nicht um den Song geht, sondern um die Technik die angewendet werden soll.
  • Basisbegleitung mit zwei Varianten
  • Song – Vocal & Begleitung
▼ Beispiele · Noten/TAB · Audio

Grundlagen der Begleitung

Beispiel mit dem G-Dur-Akkord

Basis-Rhythmus-Pattern

Auf den Grundschlägen ist der Bass, das Fundament der Begleitung. Dieser wird in der Standardnotation mit Notenhals nach unten dargestellt. Der Bass ist ein Wechselbass und kann einfach zwischen Grundton und Quinte gewechselt werden.

Die Nachschläge bestehen aus drei Akkordtönen und sind in der Standardnotation mit Notenhals nach oben dargestellt.

Zeichen für Ab- und Aufschlag:


▼ Über das Tempo

 
Die meisten Flatpicking-Stücke sind schnell, beziehungsweise sehr schnell gespielt und erzielen zum Teil auch damit ihre Wirkung. Für den Anfang gilt eine zweckmäßige Einstellung zu finden und sich nicht durch die schnellen Tempi beirren zu lassen. Diese können erst nach ein paar Monaten erreicht werden.

Die absolute Maßeinheit der Tempi wird für das Metronom angegeben: 60 bpm heißt 60 Schläge pro Minute (beats per minute).
 

Ich empfehle für den Anfang:

  • Anfangstempo: langsam – Halbe = 60 bpm
  • Zieltempo: mittel – Halbe = 88 bpm

Für Fortgeschrittene:

  • Tempo: schnell – Halbe = 120 bpm

Basis-Pattern – Capo II


Doppelschlag-Pattern – Capo II


Wechselschlag-Pattern – Capo II


What Shall We Do

»What Shall We Do (With The Drunken Sailor)« ist ein traditioneller Folksong, beziehungsweise ein Shanty (Seemannslied). Bei diesem Song wird der Capo (Kapodaster) im 2. Bund verwendet


A-Moll und G-Dur-Akkord (Capo II)


Akkordfolge – Leadsheet (Capo II)


Die folgende Basisbegleitung und ihre zwei Varianten können zunächst mehr oder weniger genau nachgespielt werden. Die Zielsetzung für Begleitungen ist nicht die notierte, beziehungsweise festgesetzte Begleitung nachzuspielen, sondern die Begleitung »aus dem Hut« (improvisiert) zu spielen.

Basisbegleitung (Capo II)


Basisbegleitung – Variante 1
mit Doppelschlag und Aufschlagsbindungen (hammer-ons)


Basisbegleitung – Variante 2
mit Bassdurchgänge und einer rythmischen Verschiebung im 4. Takt


Song – Vocal (Gitarre 1) & Begleitung (Gitarre 2)


Melodie

Melodien werden grundsätzlich im Wechselschlag gespielt. Die Viertel als Abschläge und die Achtel dazwischen als Aufschläge.

Beispiele aus dem Lehrbuch:

  • Kurzeinführung – Grundlagen des Melodiespiels
  • »Red Haired Boy« – Basismelodie mit Intro und Ending Tag
▼ Beispiele · Noten/TAB · Audio

Grundlagen des Melodiespiels

Wechselschlag-Technik
Wechselschlagübung auf der ③ Leersaite mit Capo II


Skala (Tonleiter)
Einer Melodie liegt eine oder auch mehrere Skalen (Tonleiter) zugrunde. Es ist sinnvoll diese Skalen »rauf« und »runter« zu spielen, bevor Melodien einstudiert werden. Dies erleichtert später auch das Verzieren und Variieren einer Melodie und ist unerlässlich für das Improvisieren.

Die mixolydische G-Dur Skala entspricht dem 5. Modus der C-Dur Skala. Vereinfacht gesagt ist mixolydisch G-Dur auf der C-Dur Skala vom tiefen bis zum hohen g. Etwas verwirrend ist die Notation: G-Dur-Tonart (fis-Vorzeichen) mit den Auflösungszeichen (Versetzungszeichen) bei der Note fis.

G-Dur mixolidisch mit Capo II


Red Haired Boy

»Red Haired Boy« ist eine irische Reel und wurde ursprünglich auf der Fidel gespielt. Die folgende Bearbeitung ist eine Basismelodie mit allem »drum rum«.

Intro: Die 2-taktige Einleitung ist ein Einzähl-Intro und wird typischerweise als Vorspiel an Stelle des Einzählens gespielt. Hat die Melodie ein Auftakt wird dieser von den zwei Takten abgezogen. Einzähl-Intros sind austauschbar.

A- / B-Teil: Das Stück besteht aus zwei Teilen; A-Teil und B-Teil. Jeder Teil wird wiederholt und dann als ein Durchgang bezeichnet. Ein Durchgang kann von verschiedenen Instrumenten (Fiedel, Banjo, Mandoline) wiederholt werden oder es kann mit einem Instrument verschiedene Varianten gespielt werden.

Ending Tag: Der zusätzliche 2-taktige Schluss wird als Ending Tag bezeichnet und am Ende des Stückes drangehängt. Ending Tags sind wie Einzähl-Intros austauschbar, können auch 4-taktig und sehr spektakulär sein.

Folge: Intro A A B B Ending(Tag)
 

▼ Über das Tempo

 
Die meisten Flatpicking-Stücke sind schnell, beziehungsweise sehr schnell gespielt und erzielen zum Teil auch damit ihre Wirkung. Für den Anfang gilt eine zweckmäßige Einstellung zu finden und sich nicht durch die schnellen Tempi beirren zu lassen. Diese können erst nach ein paar Monaten erreicht werden.

Die absolute Maßeinheit der Tempi wird für das Metronom angegeben: 60 bpm heißt 60 Schläge pro Minute (beats per minute).
 

Ich empfehle für den Anfang:

  • Anfangstempo: langsam – Halbe = 60 bpm
  • Zieltempo: mittel – Halbe = 88 bpm

Für Fortgeschrittene:

  • Tempo: schnell – Halbe = 120 bpm

Bevor das Stück zusammenhängend gespielt wird, sollten die einzelnen Teile geübt werden.

Intro

A-Teil

B-Teil

Ending Tag


Red Haired Boy



Improviesierte Version im moderaten Tempo und »swing feel«, mit verschiedenen Varianten aus dem Lehrbuch.

Gitarre solo

Das Flatpicking-Solospiel ist die Kombination, beziehungsweise Verzahnung, aus Begleitung und Melodie. Die Melodie wird grundsätzlich im Bass gespielt, der dann auch die Diskantsaiten – ③, ② und ① Saite – miteinbeziehen kann. Die Begleitung wird auf den Diskantsaiten gespielt und kann mit einer oder mehreren Saiten angeschlagen werden.

Beispiele aus dem Lehrbuch:

  • »Wildwood Flower« – Duo-Version (Melodie / Begleitung)
  • einfache Soloversion – Carter Style
  • Solo-Varianten
▼ Beispiele · Noten/TAB

Wildwood Flower

Wildwood Flower ist ein amerikanischer Folksong aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde das Stück, in den späten 1920er Jahren, durch die Carter Family. Maybelle Carter war die Gitarrenspielerin wonach auch der sogenannte Carter-Style genannt wird.

Carter-Style wird etwas missverständlich gebraucht. Allgemein wird darunter eine einfache Flatpicking-Spieltechnik verstanden. Genaugenommen spielt Maybelle Carter mit einem Daumenpick und einem speziellen Pick für den Zeigefinger, mit dem sie auch Abschläge spielen kann. Also keine typische Flatpicking-Technik.


Duo-Version
Melodie = Vocal – Gitarre 1
Begleitung = Gitarre 2



Einfache Solo-Version im Carter-Style


Solo-Variante 1
mit Aufschlags- (hammer-ons) und Abzugsbindungen (pull-offs)


Solo-Variante 2

Stücke für Fortgeschrittene

» Doc Watson hat gezeigt, wie es geht, und wer heute Bluegrass-Gitarre spielt, muss Stücke wie den »Black Mountain Rag« beherrschen – oder er bleibt ein Rhythmus-Knecht «

Wolfgang Görl (Süddeutsche Zeitung)

Doc Watson (1923-2012) – Black Mountain Rag

»Black Mountain Rag« ist ein Flatpicking-Klassiker und wurde erstmals 1963 von Doc Watson (Melodie) mit John Herald (Begleitung) eingespielt.

▼ Transkription · Noten/TAB · Video

Das Grundtempo am Anfang (Video ab 1:06): Halbe = 128 bpm
Sehr schnelles Tempo am Schluss (Video ab 3:03): Halbe = 144 bpm

Es ist interessant festzustellen, dass wenn Doc Watsen langsam spielt (Halbe = 74 bpm), er im »swing feel« spielt. So klingt es langsam auch groovig.

Doc Watson spielte das Stück über all die Jahre immer wieder anders. Meine Transkription ist von einer älteren Fassung und kann als Basismelodie zum Einstudieren des Stückes hergenommen werden.

 
Knorriger Befreier
Nachruf von Wolfgang Görl (2012)

»Black Mountain Rag« ist ein rasend schnelles Fiddle-Stück aus dem amerikanischen Folk-Fundus, und es gab Zeiten, da hätte es kein Gitarrist gewagt, diesen Fetzer solistisch zu interpretierten. Brav schlugen die Folk- und Bluegrass-Gitarristen ihre Akkorde dazu als fügsame Knechte der Fiddle- und Banjovirtuosen. Doch in den fünfziger Jahren erschien ein blinder Gitarrist aus North Carolina auf den Country-Bühnen und spielte Fiddle-Tunes auf der E-Gitarre und später auf der Westerngitarre, als wäre es die leichteste Sache der Welt. Und so wurde der knorrige, konservativen Werten verpflichtete Mann, der auch ein grandioser Sänger war, zu einem Revolutionär seines Metiers. Fortan durfte die Bluegrass-Gitarre auch mitspielen im Konzert der Solisten. Am Ende schmückten acht Grammy Awards seine Laufbahn.
Arthel Lane „Doc“ Watson, geboren 1923 und im ersten Lebensjahr infolge einer Augeninfektion erblindet, beherrschte diverse Instrumente, vor allem aber öffnete er sich schon früh allen möglichen Musikstilen, sei es nun Blues, Country, Western-Swing oder Jazz. Er hörte genau hin, wie Django Reinhardt spielte, und wie dieser stellte er seine Technik stets in den Dienst der Musik. Nie ging es ihm darum, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen, und wenn er doch im Affenzahn die Saiten zupfte, dann war das die schlüssige Antwort der Gitarre auf das, was Fiddle und Banjo vorgegeben hatten. Das Flatpicking, das Spiel mit Plektrum auf den harten Saiten der Westerngitarre, erfordert höchste Präzision, man kann sich nicht, wie es mittelmäßige E-Gitarristen tun, mit Hammerings und Pull-Offs über schwierige Stellen hinwegschwindeln. Doc Watson hat gezeigt, wie es geht, und wer heute Bluegrass-Gitarre spielt, muss Stücke wie den »Black Mountain Rag« beherrschen – oder er bleibt ein Rhythmus-Knecht.
Am Dienstag ist Watson wenige Tage nach einer Bauchoperation in Winston-Salem gestorben.

Veröffentlichung mit Genehmigung von Wolfgang Görl (Süddeutsche Zeitung 31.05.2012)


Black Mountain Rag – Melodie






Black Mountain Rag – Begleitung




The Handsome Cabin Boy

»The Handsome Cabin Boy« ist ein Song aus Irland. Das Arrangement für Gitarre solo lehnt sich an Jerry Garcias Version an.

▼ Noten/TAB · Audio

The Handsome Cabin Boy



Tony Rice – Church Street Blues

»Church Street Blues« ist ein Song von Norman Blake. Tony Rice spielt und singt mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit.

▼ Transkription · Noten/TAB · Video

Die folgende Transkription ist nach Toni Rices langsam gespielter Version notiert, aus dem gleichen Lernvideo. Achte genau auf den Fingersatz der linken (Griffweise) und rechten Hand (Ab- und Aufschläge). Wie auf dem Video zu sehen ist, greift Tony Rice den G-Akkord auch dann vollständig wenn er nur die ④, ③ und ② Leersaite anschlägt.


Church Street Blues


Lehrbuch von René Senn

Das Lehrbuch für Flatpicking beinhaltet die elementaren Grundlagen um das Spiel mit dem Plektrum (Pick) auf der Akustik- oder auch Klassikgitarre zu lernen.
Einerseits wird das Melodiespiel und andererseits das Begleiten gelernt, was dann für das Zusammenspiel mit zwei Gitarren (Gitarrenduo) oder anderen Akustikinstrumenten oder Musikstile verwendet werden kann.
Für fortgeschrittene Spieler ist es auch möglich, Songs oder Instrumentalstücke alleine (Gitarre solo) zu spielen.

  • Lehrbuch mit Noten und Tabulaturen
  • Begleitung
  • Melodiespiel
  • Gitarre solo
  • Videoclips online (Demnächst!)
  • Hörbeispiel online (Demnächst!)

Das Lehrbuch ist als PDF-Datei oder Notenheft mit Ringbindung im Online-Noten-Verlag erhältlich. Lernvideos und Hörbeispiele können online abgerufen werden.