Alpenländische Rhythmik

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» … ziehen die Melodieinstrumente ein bisschen, die Begleiter bremsen minimal. Diese Spannung ergibt dann auch diesen speziell guten Rhythmus. «

Klaus Karl

Die folgenden rhythmische Besonderheiten beziehen sich auf die Gattung (Art des Stückes), die Melodie oder die Begleitung. Sie können sich taktweise (»Binnentakt«), über zwei oder mehrere Takte hinweg oder durch ein ganzes Stück durchziehen. Auch können sie sich innerhalb oder zwischen Melodie und Begleitung beziehen.

Metrum, Takt und Rhythmus

 

  • Das Metrum ist die gleichmässige, zeitliche Abfolge von Tönen ohne Betonungen (Puls).
  • Der Takt bringt sozusagen die Betonung. Grundsätzlich wird immer die Note nach dem Taktstrich betont.
    Betonungszeichen: >
  • Der Rhythmus ist die zeitliche Abfolge von kurzen und langen Tönen auf Basis des Metrums und der Taktstruktur.

Metrische Taktbetonung

Im 4/4 Takt ist die metrische Betonung auf dem ersten Schlag betont, auf dem zweiten Schlag unbetont, auf dem dritten Schlag, in der Mitte, etwas weniger betont und auf dem vierten Schlag wieder unbetont.

Im 3/4-Takt ist der erste Schlag betont und der zweite und dritte Schlag unbetont.

Wenn die metrische Taktbetonung eingehalten wird, klingt Musik langweilig und »schülerhaft«. Dennoch soll am Anfang wenn Noten umgesetzt werden, diese Struktur angewandt und auf keinen Fall auf den »Kopf« gestellt werden.
Das heißt im Umkehrschluss, kein Ton sollte lauter klingen als der erste Schlag, außer es wird zum Beispiel mit einem Betonungszeichen gefordert.

Zwiefacher

Tanz im Wechseltakt

Der Zwiefache ist ein Tanz im Wechseltakt, der zwischen Walzerschritt und Dreherschritt (Polka) wechselt. Es gibt keine Struktur wie die Taktwechsel angeordnet werden. Diese sind bei jedem Stück anders.

In alten Notenbücher sind die Zwiefache meist in der traditionellen Schreibweise notiert. Die Taktarten werden am Anfang nacheinander angegeben oder können auch gänzlich weggelassen werden. Bei einer korrekten Notation müsste jeder Taktartwechsel erneut vor dem Taktstrich angegeben werden, wie bei einem Tonartwechsel.


Traditionelle Notation

Eine Achtelnote im 2/4-Takt (Polka) entspricht einer Viertelnote im 3/4-Takt (Walzer).

*) zusätzlich kann bei einem Taktwechsel die entsprechenden Notenwerte angezeigt werden.

Literaturhinweis: »Wer den net ko« (1974) von Alfons Listl


Metrische Notation

Die Notenwerte sind in den zwei verschiedenen Taktarten korrekt zueinander notiert.

Literaturhinweis: »Zwiefache« (2006) von Peter Lindl

Innviertler Landler

Verzogener Rhythmus im ¾-Takt

In den verschiedenen Beschreibungen, dieser speziellen rhythmischen Verschiebung innerhalb des Taktes, gibt es verschiedne Erklärungsansätze. Im Grunde genommen reicht schon der Hinweis um diese Verschiebung zu hören.

Der »verzogene« Rhythmus im ¾-Takt kann einfach durch die rhythmische Kürzung der 1. und 2. Zählzeit und der Dehnung der 3. Zählzeit erklärt werden. Wie stark oder ausgeprägt diese Verschiebung sein kann, ist von Musikant zu Musikant unterschiedlich.

Noten/Audio

Innviertler Landler


verzogener Rhythmus

notengetreu

Gradtaktige Landler

» Gradtaktige Landler – ein Missverständnis? «

Der »Gradtaktige Landler» –

  • ist ein ländlicher Tanz im geraden Takt (2/4-Takt).
  • täuscht Zweischlägigkeit vor.

»Die Notierung täuscht Zweischlägigkeit vor! Die Spielweise des geradtaktigen Ländlers – im Salzkammergut als ›Landler‹ bezeichnet – macht einen merkbaren Unterschied zwischen dem geraden Ländler und einem geradtaktigen Tanz. Bemerkenswert dabei ist, dass der Musikant den dreischlägigen Takt des Ländlers dabei in spezifischer Manier zweischlägig interpretiert.« (Gerlinde Haid)


»Im Salzkammergut werden die Landler im geraden Takt gespielt, d.h. der Musikant beherrscht die Kunst, im 3/4-Takt zu lesen und im 2/4-Takt zu spielen.« (Sepp Pichler)

Begleitung / Halbwalzer

Unabhängig von der Melodie wird in der Begleitung der 1. Nachschlag, auf der 2. Zählzeit, leicht vorgezogene. Somit erhält der Begleitrhythmus ein beschwingt tänzerischen Charakter.

Noten/Audio

Halbwalzer

leicht vorgezogen

notengetreu

Melodie / Polyrhythmik im ¾-Takt

Balkengruppierung

Die Achtelnoten-Balken können durch die Gruppierung die optische Unterteilungen, als auch die implizierten Betonungen anzeigen.

Die Takt-Gruppierung impliziert, dass die erste Note leicht betont wird.

Die im 3/4-Takt normale 2er-Gruppierung entspricht der metrischen Betonung des Taktes – die 1. Zählzeit ist betont, die 2. und 3. Zählzeit ist weniger betont, die »und« Zählzeiten sind unbetont.

Die 3er-Gruppierung zeigt die polyrhythmische Struktur des Taktes an. Diese kann, wie im folgenden Beispiel, die Polymetrik des 6/8-Taktes anzeigen. Einfach gesagt: Der 6/8-Takt der Melodie ist der Gegenrhythmus zum 3/4-Takt der Begleitung.

6/8-Takt gegen 3/4-Takt

Wird die Melodie wie bei der 3-Gruppierung im 6/8-Takt sozusagen gegen die Begleitung im 3/4-Takt gespielt, entsteht ein Gegenrhythmus der als Polymetrik bezeichnet wird.


3/2-Takt gegen 3/4-Takt

Wird die Melodie, wie im folgenden Beispiel, im implizierten 3/2-Takt (Dreihalb-Takt) gegen die Begleitung im 3/4-Takt gespielt, entsteht der Gegenrhythmus (Polymetrik) 3/2-Takt gegen 3/4-Takt.