Gattungen & Formen

Alpenländische Gitarrenmusik
» Die Hälfte steht nicht auf dem Blattl « (Wolfi Scheck)

Volksmusikstile

Alte Volksmusik

Die alte Volksmusik befasst sich mit der Musik und den Instrumenten vor dem 19. Jahrhundert. Die bevorzugten Musikinstrumente waren damals Dudelsack, Drehleier, Flöten und Geigen.

Traditionelle Volksmusik

Die traditionelle Volksmusik ist zeitlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Die traditionellen Musikinstrumente sind Holz- und Blechblasinstrumente, Streich- und Zupfinstrumente (Zither, Harfe, Diatonisches Hackbrett… und die »Guitarre«).

Die »Tanzlmusi« spielt mit Holz-, Blech- und Streichinstrumenten zum Tanz, die »Stubnmusi« musiziert mit Saiteninstrumenten eher zum Zuhören.

Konventionelle Volksmusik

Die konventionelle Volksmusik ist nach der traditionellen Volksmusik entstanden, ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Stücke sind sozusagen der traditionellen Volksmusik nachempfunden.

Neue Volksmusik

Die neue Volksmusik, auch als »Volxmusik« oder »Tradimix« bezeichnet, ist traditionelle Volksmusik mit neuen Ideen oder verschiedenen anderen Musikgenres verbunden.

Kommerzielle Volksmusik

In der kommerziellen Volksmusik, auch »volkstümliche Musik« oder »Schlager« genannt, geht es um die Vermarktung der alpenländischen Klischees dieser Musikkultur. Volkstümlich im Sinne von Bertold Brecht hat eine andere Bedeutung!

Polka

» Kommt die Polka aus Polen? «

Die Polka, beziehungsweise Schnellpolka, ist ursprünglich ein Tanz aus Böhmen und wurde aus dem Wort půlka (»Hälfte«) abgeleitet. Mit »Hälfte« dürften die schnellen Halbschritte beim Tanzen gemeint sein. Die Polka wurde in Böhmen erstmals um etwa 1830 erwähnt.

Die Polka ist ein Tanz im 2/4 Takt (gerader Takt), wird beschwingt und schnell gespielt und hat eine 16-taktige Grundform.

▼ Notenbeispiel

Trahüttner Polka

Der A-Teil ist der 1. Teil der 3-teiligen Schnellpolka.

Die vollständige Version, Partitur mit Noten und Stimmen mit Noten/Tabulaturen, sind im Online-Noten-Verlag erhältlich: Altbairische Gitarrenmusik / Gitarrenduo · Folge 2

Boarischer

» … der Boarische aus Bayern!? «

Das Wort Boarischer dürfte um die Mitte des 19. Jahrhunderts von dem oberösterreichischen Tanz »Bäurisch Polca«, beziehungsweise von dem Wort »bäuerlich« abgeleitet sein.

Der Boarische, auch Bayrisch-Polka genannt, ist eine langsame Polka und mit dem Rheinländer oder Schottisch verwandt.

Der Boarische ist ein Tanz im 2/4 Takt (gerader Takt), wird langsam bis mittelschnell gespielt und hat eine 8-taktige Grundform.

▼ Notenbeispiel

Neukirchner Boarischer

Der A-Teil ist der 1. Teil der 3-teiligen langsamen Polka.

Die vollständige Version, Partitur mit Noten und Stimmen mit Noten/Tabulaturen, sind im Online-Noten-Verlag erhältlich: Altbairische Gitarrenmusik / Gitarrenduo · Folge 2

Halbwalzer · Walzer

» Was ist ein Halbwalzer? «

Der Begriff Halbwalzer könnte wie die Polka eine ähnliche Herkunft haben und von den beim Tanzen verwendeten schnellen Halbschritten abgeleitet werden.

Der Halbwalzer oder Walzer ist ein Tanz im 3/4 Takt (ungerader Takt - Walzertakt), wird mittelschnell bis schnell gespielt und hat eine 16-taktige Grundform.

▼ Notenbeispiel

Halbwalzer in C

Der A-Teil ist der 1. Teil des 3-teiligen Halbwalzers.

Die vollständige Version, Partitur mit Noten und Stimmen mit Noten/Tabulaturen, sind im Online-Noten-Verlag erhältlich: Altbairische Gitarrenmusik / Gitarrenduo · Folge 1

Landler

» Landler oder Ländler? «

Die Bezeichnung Landler oder Ländler dürfte vom Wort Landlerischen (Österreich Anfang 19. Jh.), beziehungsweise »landlerisch« oder »ländlichen« abstammen.

Der Landler ist ein Tanz im 3/4 Takt (ungerader Takt), wird langsam gespielt und hat eine 8-taktige Grundform.
Der Landler ist mit dem Steyrer (auch Steirer oder Steirischer) verwandt. In der Steiermark werden Ländler im allgemeinen als Steirer bezeichnet.

In der Schweiz wird der Begriff Ländler oder Ländlermusik für Volksmusik verwendet und grenzt zur volkstümlichen Musik ab. Der Ländler als Tanz (3/4 oder 3/8 Takt) wird, wie ein Halbwalzer, vergleichsweise schnell gespielt.

▼ Notenbeispiel

Landler in A

Dieser Landler ist aus der »Bauernmusi« und der 2. Teil von 4-teiligen Alte Landler

Die vollständige Version, Partitur mit Noten und Stimmen mit Noten/Tabulaturen, sind im Online-Noten-Verlag erhältlich: Altbairische Gitarrenmusik / Gitarrenduo · Folge 2

Zwiefacher

» Traditionelle oder metrische Notation? «

Der Zwiefache ist ein Tanz im Wechseltakt zwischen Walzer (3/4-Takt) und Polka (4/4-Takt). Es gibt keine Struktur wie die Taktwechsel angeordnet werden. Diese sind bei jedem Stück anders.

Ich verwende die metrische Notation und stelle einfach am Anfang bei der Taktangabe die Taktarten vor. Bei dieser metrischen Notation wird die Polka im 4/4 Takt notiert.

Die traditionelle Notation verwendet für den Walzer den 3/4-Takt und für die Polka den gewohnten 2/4-Takt. Die Viertelnote im 3/4-Takt enspricht dann der Achtelnote im 2/4-Takt!

▼ Notenbeispiel

Gockl, wannst net kraahst

Der Instrumentalteil (A-Teil) und Gesangsteil (B-Teil) wird abwechselnd gespielt. Der Gesangsteil kann auch instrumental gespielt werden.

Liedweise

» Über d'Alma «

Eine Liedweise ist ein instrumental gespieltes Lied im 3/4-Takt und wird langsam, getragen und im freien Tempo (Tempo rubato) gespielt.

Die wohl bekannteste Liedweise Über d'Alma wurde von Sepp Eibl eingespielt und ist die Erkennungsmelodie der BR-Fernsehreihe Unter unserem Himmel.

▼ Notenbeispiel

Über d'Alma

Instrumentalversion nach Sepp Eibl

Die vollständige Version, Partitur mit Noten und Stimmen mit Noten/Tabulaturen, sind im Online-Noten-Verlag erhältlich: Altbairische Gitarrenmusik / Gitarrenduo · Folge 1

 
Zweistimmige Liedversion (Trad.)

Tafelmusik

»Bei Bauernhochzeiten wurde während der Mahlzeit von den Musikanten sogenannte Tafelmusik aufgemacht, welche aus Menuetten, gefälligen Melodien bekannter Lieder, Märschen und kleinen Stücken bestand.« (Zoder und Preiß)

Im folgenden Notenbeispiel ist ein Stück ausgewählt das den Titel »Tafelstück um 1800« trägt und auch zur Gattung Tafelmusik passt. Ganz allgemein kann der Titel eines Stücke sehr irreführend und die Titelbezeichnung mit dem musikalischen Inhalt nicht übereinstimmend sein.

▼ Notenbeispiel

Tafelstück um 1800

Der A-Teil ist der 1. Teil des 3-teiligen Stückes aus der »Bauernmusi«.