Begleitgitarre

Alpenländische Gitarrenmusik
» gradaus und verkehrt «

Als Begleitinstrument ist die Gitarre in der Alpenländischen Volksmusik weit verbreitet und hinlänglich bekannt. Die typischen Ausführungen sind erfahrungsgemäß etwas problematisch. Nur wer genau hinhört und die Technik kennt, insbesondere das »Abstoppen« der Bässe und Nachschläge, kann die traditionelle Spielweise lernen und somit auch spielen.
Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Spielweisen und Techniken für Boarischer, Polka (Schnellpolka), Landler, Halbwalzer (Walzer) und Liedweisen.

Die Zielsetzung für Begleitungen ist nicht die notierte, beziehungsweise festgesetzte Begleitung nachzuspielen, sondern die Begleitung »aus dem Hut« (improvisiert) zu spielen.

Akkorde

Grundakkorde sind einfachen Akkorde (Griffe) in der 1. Lage mit Leersaiten. Die Griffweise der linken Hand (Finger der Greifhand) sollte genau beachtet werden.

Da in Instrumentalstücken mehrheitlich nur die Tonika (1. Stufe) und Dominante (5. Stufe) verwendet werden sind die, zu einer Tonart gehörenden zwei Akkorde, nebeneinander dargestellt.

▼ Grundakkorde
Tonart Tonika Dominante
C-Dur: C G7
G-Dur: G D7
D-Dur: D A7
A-Dur: A E7
E-Dur: E H7 (B7)
F-Dur: F C7

Grundakkorde

Beachte: Die Standard-Schreibweise für Akkorde ist englisch. Der Tonname H (deutsch) heißt dann B (englisch). Nicht zu verwechseln mit dem deutschen B (Be) das englisch Bb (B flat) heißt.

Der F-Akkord kann auch mit dem großen Barré, über alle sechs Saiten, gegriffen werden.

Akkordfolgen

Die Akkordfolgen zeigen den harmonischen Verlauf der verschiedenen Teile eines Stückes.

»gradaus« wird die Akkordfolge bezeichnet wenn mit der Tonika (1. Stufe) begonnen wird.

»verkehrt« wird die Akkordfolge bezeichnet wenn mit der Dominante (5. Stufe) begonnen wird.

▼ Akkordfogen

8-taktige Akkordfolgen

Die 8-taktige Folge wird hauptsächlich beim Landler und beim Boarischer verwendet. Die ersten 4 Takte werden wiederholt. Also kann der Ablauf eines 8-taktigen Teils an den ersten zwei Takten eindeutig erkannt werden.

Beachte: In meinen Lehrbücher unterscheide ich zwischen gradaus 1 und gradaus 2. In der 8-taktigen Folge beginnt gradaus 1 mit einem Takt der Tonika und gradaus 2 mit zwei Takten der Tonika.

Beispiele in C-Dur:

gradaus 1
|C|G7|G7|C|
|C|G7|G7|C|
gradaus 2
|C|C|G7|C|
|C|C|G7|C|
verkehrt
|G7|C|G7|C|
|G7|C|G7|C|

 

16-taktige Akkordfolgen

Die 16-taktige Folge wird hauptsächlich beim Halbwalzer und bei der Polka verwendet. Die Takte der 8-taktigen Folge werden verdoppelt und die ersten 8 Takte wiederholt. Also kann der Ablauf eines 16-taktigen Teils an den ersten drei Takten eindeutig erkannt werden.

Beachte: Bei gradaus 2 wird die 8-taktige Folge nicht einfach verdoppelt!

Beispiele in C-Dur:

gradaus 1
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|
gradaus 2
|C|C|C|G7|
|G7|G7|G7|C|
|C|C|C|G7|
|G7|G7|G7|C|
verkehrt
|G7|G7|C|C|
|G7|G7|C|C|
|G7|G7|C|C|
|G7|G7|C|C|

 

Ausnahmen

Natürlich gibt es Ausnahmen in denen zusätzliche Akkordwechsel, takt- oder halbtaktweise, hinzugefügt werden. Es kann auch die Subdominante oder gar Mollakkorde hinzugefügt werden.
… und wie es der Zufall will hat man gerade diese Ausnahme… und dann, schon wieder die nächste Ausnahme!

Traditionelle Formen

Die Form eines Stückes befasst sich mit der Bezeichnung der Teile und dessen Tonarten, Abfolge und Wiederholungen.

 
3-teilige Form

▼ Beispiele · Quintenzirkel

Die Teile werden mit Großbuchstaben (A, B, C) gekennzeichnet. Der typische dritte Teil (C-Teil) wird gegebenenfalls auch »Trio« genannt.
Die traditionelle Form eines Sückes hat drei Teile. Der erste Teil ist der Hauptteil, wonach die Tonart des Stückes benannt wird. Die Tonart des zweiten Teils steht in der Regel in der Quintverwadtschaft und die des dritten Teils in der Quartverwandtschaft. Am Quitenzirkel kann man gut erkennen wie die Tonarten nebeneinander liegen.
Grundsätzlich werden die Teile nacheinander gespielt und jeweils wiederholt. Zwischen dem B- und C-Teil wird der A-Teil noch einmal wiederholt und nach dem C-Teil nochmal. Für weitere Wiederholungen gibt es keine Regeln.

Gitarren-Bayrischer (Tobi Reiser)

(aus dem Lehrbuch: Gitarrenbegleitung 1)
Boarischer: 8-taktig
Folge der Teile: A A B B A C C A

A-Teil: C-Dur – gradaus 2
|C|C|G7|C|
|C|C|G7|C|
B-Teil: G-Dur – gradaus 1
|G|D7|D7|G|
|G|D7|D7|G|
C-Teil: F-Dur – gradaus 1
|F|C7|C7|F|
|F|C7|C7|F|

 

Steffibauer-Walzer (Trad.)

(aus dem Lehrbuch: Gitarrenbegleitung 1)
Halbwalzer: 16-taktig (B-Teil: 8-taktig)
Folge der Teile: A A B B A C C A

A-Teil: C-Dur – gradaus 1
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|
B-Teil: G-Dur – verkehrt
|D7|G|D7|G|
|D7|G|D7|G|
C-Teil: F-Dur – gradaus 1
|F|F|C7|C7|
|C7|C7|F|F|
|F|F|C7|C7|
|C7|C7|F|F|

 

Quintenzirkel

Der Quintenzirkel (im Uhrzeigersinn) oder auch Quartenzirkel (im Gegenuhrzeigersinn) zeigt den theoretischen Zusammenhang sämtlicher Tonarten. Außerhalb des Kreises sind die Dur-Tonarten mit Grossbuchstaben und innerhalb die Moll-Tonarten mit Kleinbuchstaben dargestellt. Die zwölf unterschiedlichen Tonarten überschneiden sich bei Fis- und Ges-Dur (Quintenzirkel unten!). Beziehungsweise wird Fis enharmonisch gleich Ges genannt, die Tonarten sind praktisch identisch. Die äußere Dur- und innere Moll-Tonart sind jeweils Paralleltonarten. In Klammern ist die Tonbezeichnung in der englischen Schreibweise.

 
Mehrteilige Form

▼ Beispiele

Ein mehrteiliges Stück wird auch als »Partie« bezeichnet: »Halbwalzerpartie« oder »Landlerpartie«.
Die Teile werden mit Zahlen durchnummeriert.
Grundsätzlich werden die Teile nacheinander gespielt und jeweils wiederholt. Für weitere Wiederholungen gibt es keine Regeln.

Halbwalzerpartie (Trad.)

(aus Gitarrenduo · Folge 1)
Halbwalzer: 16-taktig (Teil 1*: 32-taktig)
Folge der Teile: 1 1 2 2 3 3 4 4 5 5

Teil 1*: A-Dur – gradaus 2
|A|A|A|A|
|A|A|E7|E7|
|E7|E7|E7|E7|
|E7|E7|A|A|
|A|A|A|A|
|A|A|E7|E7|
|E7|E7|E7|E7|
|E7|E7|A|A|
Teil 2: D-Dur – gradaus 1
|D|D|A7|A7|
|A7|A7|D|D|
|D|D|A7|A7|
|A7|A7|D|D|
Teil 3: D-Dur – verkehrt
|A7|A7|D|D|
|A7|A7|D|D|
|A7|A7|D|D|
|A7|A7|D|D|
Teil 4: G-Dur – verkehrt
|D7|D7|G|G|
|D7|D7|G|G|
|D7|D7|G|G|
|D7|D7|G|G|
Teil 5: C-Dur – gradaus 1
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|
|C|C|G7|G7|
|G7|G7|C|C|

*) Der erste Teil (Teil 1) ist 32-taktig und verdoppelt die 16-taktige Folge gradaus 2.

Boarischer (langsame Polka)

aus dem Lehrbuch: Alpenländische Gitarrenmusik / Gitarrenbegleitung 1

▼ Noten/Tab

Begleitakkorde

Basisbegleitung

Der Boarische wird im 2/4-Takt notiert und in Grund- und Nachschläge aufgeteilt. Die Grundform ist 8-taktig.
Grundschläge: Wechselbass
Nachschläge: dreistimmige Akkorde

Begleittechnik

Die in Klammern gesetzten Finger zeigen das Abstoppen, beziehungsweise das Dämpfen der Saiten an (a = Ringfinger, m = Mittelfinger, i = Zeigefinger, p = Daumen).

Beachte: Der Daumen dämpft mit der Daumenkante und die Finger durch das Aufsetzen auf die Saiten. Der einfache Schluss endet auf dem zweiten Grundschlag, Bass und Akkordtöne werden zusammen angeschlagen und ausgehalten. Der Bass soll beim 4-stimmiger Akkord nicht untergehen, beziehungsweise lauter klingen als die Akkordtöne (a m i) darüber.

Basisbegleitung: gradaus 2

Mit gradaus 2 wird die 8-taktige Akkordfolge bezeichnet, die mit der Tonika (1. Stufe) beginnt und diese dann 2 Takte dauert.

gradaus 2
|C|C|C|G7|
|G7|G7|G7|C|
|C|C|C|G7|
|G7|G7|G7|C|

Gitarrenbegleitung 1

Lehrbuch von René Senn

Grundlegende Begleittechniken für Walzer (Halbwalzer), Polka, Boarischer, Landler und Liedweisen, in den für die Gitarre gebräuchlichsten Tonarten (E-, A-, D-, G-, C- und F-Dur).

  • Lehrbuch mit Noten und Tabulaturen / 147 Seiten
  • Begleittechniken
  • Bassläufe
  • Praktisches Begleiten
  • Theorie
  • Videoclips online
  • Hörbeispiel / Backing Tracks online

Im Anhang sind einfache einstimmige Spielstücke, die in sämtliche Tonarten transponiert werden können und zwei dreiteilige Originalbeispiele – Gitarren-Bayrischer (Tobi Reiser) und Steffibauer-Walzer (Trad.)

Das Lehrbuch ist als PDF-Datei oder Notenheft mit Ringbindung im Online-Noten-Verlag erhältlich. Lernvideos und Hörbeispiele können online abgerufen werden.